Begegnungen, Erinnerungen

Alles wiederholt sich

Bevor meine Großeltern hochbetagt starben, 1993 und 1994, da verstanden sie die Welt nicht mehr. Plötzlich war alles anders geworden. Anderes Geld, neue Verträge, der kleine Laden, in dem sie ein Leben lang eingekauft hatten, schloss für immer. Ich konnte es ihnen nicht erklären, denn ich wusste auch nicht, was kommt.
Jetzt werden meine Eltern bald sterben. Auch sie verstehen die Welt nicht mehr. Die Bänke zum Ausruhen sind abgesperrt. Durch Masken genuschelte Auskünfte verstehen sie nicht. Sie müssen Zettel ausfüllen oder Bescheinigungen vorlegen, bevor sie eine Tasse Kaffee irgendwo bekommen. Ich kann es ihnen nicht erklären, denn ich weiß wieder nicht, was noch kommt.

Impressionen

Küchenhocker

In der HH ist vieles sehr schön, die vielen freundlichen Menschen, immer bereit miteinander zu reden, der unglaublich gut funktionierende Nahverkehr, die Kunsthalle mit ihren unerschöpflichen Schätzen und dass man in der Elbe baden darf. Viele Menschen liegen aber auch einfach in den Ecken rum auch tags und zwei Häuser weiter gibt es einen hässlichen Küchenhocker für 2000 Euro.

Impressionen, Traumreisen

Fragen zerkrabbeln mir den Verstand

Vor meinem Fenster steht der alte Dom auf. Noch ist er im grauen Morgengewand, schon zwitschern die Vögel und erstes Licht zeigt sich am östlichen Himmel. Mein Kopf ist träge noch, aber erste Gedanken fluten diesen Zustand. Viele Fragen zerkrabbeln mir den Verstand. Nochmal fest die Augen schließen und versuchen eine Weile noch zu ruhen, alles bitte bitte zurück in die Warteschleife.

Begegnungen

Auf zur Patenpuppe

Wie schön, man lud mich ein, meine Patenpuppe zu besuchen. Das sollte nun mein Kultur-Neustart  sein. Ich erzählte es allen, die es hören wollten oder auch nicht. Meine beste Freundin zog mit. Sonntag Vormittag mit Termin angekommen, bogen wir voller Übermut in den Theaterbereich ab. Fröhlich giggernd schauten wir uns die neu gestaltete Decke im Foyer an. Endlich wieder eine Kulturstätte betreten…!

Impressionen, Traumreisen

Unruhe vs. Stille

Mein Herzschlag ist der einzige Ton dieser langen Nacht, den ich vernehme.
Gut das es mir gelungen ist das festzustellen und aufzuschreiben. Das macht über das Grübeln „was war und wird“ begreifbar, das ich in ruhiger friedlicher Nacht lebe und ganz wahrscheinlich bald das Licht Tag und Geist erhellt und ich damit eine neue Chance habe, mein Leben zu gestalten. Wie einfach und wie schön. Wie schön das es dies Nachtbuch gibt. Ich stell mir noch das Nachtkonzert an.

Begegnungen

Ohne Würstchen und Limo

ein Mond so rund und schön erhellt die nacht. riesige kranbauten zerschneiden den Himmel vor meinem fenster. tags standen hunderte schaulustiger menschen hier, um zu sehen, wie das gigantisch tierisch anmutende gestell, drei von fünf Bauelemente, durch den Himmel schwenkte, in dem jetzt frau luna thront. ein unterhaltsames schauspiel ohne eintritt und personal. lange haben menschen fasziniert eng gedrängt davor gestanden. niemand dachte scheinbar an maske und abstand. einfach so stehen und in gemeinschaft gucken ohne würstchen und limo, ohne aufsicht. einfach so und gucken, fotografieren. wahrscheinlich die vorstellung von dem fertigen bauwerk vor augen, etwas im hinterstübchen, dass am ende alles gut sein wird. das in diesen zeiten! irgendwie beruhigt das mein gemüt. und mit diesen paar gedanken, ist das licht zurück in meinen mondbesetzten himmel und müdigkeit erinnert an den willen zu schlafen. 

Traumreisen

Pfingstochsen

Draußen ist es immer noch kalt obwohl die Pfingstochsen schon auf der Weide stehen. Menschen sind, auch aus diesem Grund, noch in ihren Stuben andere hält nichts mehr. Das Land rüstet gen Wahlen die Plakate an die Säulen. Ich selber bin müde vom im Kreise reden. Dennoch steht der gute alte Mond am Himmel schaut wie gewohnt auf mich herab, so alt sind die unbeschwerten Zeiten. Auch wenn ich ihn jetzt beschwöre: Doch mal ernsthaft mit uns Menschlein zu Gericht zu gehen. Er wird seine Bahn nicht verlassen und sich dem Morgenlicht ergeben und uns machen lassen. Ich werde Theater kramen, andere werden Werkzeuge schmieden, ein Nächster das Blaue lügen, Buntes malen, Kinder kriegen, manches wegwerfen, Leid und Glück sich wechseln. Und so geht es in einem fort?

Begegnungen, Erinnerungen

Ein Leben ohne Theater ist möglich

Seitdem ich ungefähr 12 bin, gehe ich ins Theater. In den vergangenen ungefähr 45 Jahren gab es keinen Monat, in dem ich nicht ein Theater, ein Konzert, eine Ausstellung besucht hätte. In manchen Wochen mehrfach, an einzelnen Tagen ebenso.

Nun habe ich so viel gesehen und erlebt, da wird es auch mal eine Weile ohne gehen. Dachte ich zu Beginn des Verbotes. Eine leise Langeweile zog sich durch die Winterabende bis ins Frühjahr hinein. 

Begegnungen

Das wird die Wahrheit sein

Es fällt mir auf, das ich nicht weiß, an wen ich schreibe, für mich ja:
Nach 207 Tagen nicht spielen ist nun heute der große Tag der Erlösung. 50 Gäste GGG, getestet, genesen, geimpft, waren heute hier. 
Wir haben die oldscool Komik vom Valentin gebraucht und das ging gut. Aber bei 13 grad sitzt es sich nicht gemütlich im Garten also waren wir um 23.40 Uhr leergefegt. Zurück blieb ich mit meinen Fragen. Warum hat mir von den Kollegen niemand gedankt das wir überlebt haben. In aller Augen nicht der Rede wert. Das wird die Wahrheit sein!

Traumreisen

Eine Kerze anzünden tut gut

Der Geruch der gelben Rapsfelder vom Nachmittag legt sich zu mir ins Bett. Die Erinnerung an ihr sonniges gelb ist so schön, wie die Erinnerung an ihren Geruch, die Ruhe der Nacht zerwühlt. Eine Kerze anzünden tut gut.