Erinnerungen

Erstenergie

Es ist 5 Minuten vor 22 Uhr, als ich das Auto wieder vor meinem Haus parke. In 10 Minuten greift die Ausgangssperre und ich, eine sehr erwachsene Frau, vor zwei Tagen gerade 54 Jahre jung geworden, muss zu Hause sein. An einem Abend, an dem man sich auch gut mit Freunden treffen könnte. Und überhaupt, es gibt keine Kinder zu versorgen, kein Hund, der Gassi muss und keinen Mann, der mault, wo ich denn noch hinwolle.

Es ist ein wunderbarer Samstag Abend. Aber nein, ich gehe brav zu meiner Wohnung hoch und schalte den Rechner ein. Und finde eine sehr interessante Idee von Ines vom Theater an der Angel. Inspirierend, diese Idee, jeden Abend einen Gruß zu schreiben, den Gedanken einfach freien Lauf zu lassen. Und da ich weiß, dass die Erstenergie (eine Wortschöpfung von mir) auf der Stelle, wo sie entsteht, ausgenutzt werden muss, schreibe ich meine Gedanken auf.

Ich erinnere mich, dass ich wohl 15 oder 16 Jahre war, als das letzte Mal jemand bestimmt hat, dass ich 22 Uhr zu Hause sein muss. Das war mein Vater. Es gab mächtig Ärger damals, weil ich mit meiner kleinen Schwester auf den letzten Gong von der Disko losgefahren war; wir die Fahrräder nicht gleich in Gange bekommen hatten und somit mit 10 Minuten Verspätung um die Ecke bogen. Unser Herr Papa stand im Pyjama am Gartenzaun, wir wohnten damals des Sommers im Gartenbungalow, und wartete auf uns. Dann brach dann Donnerwetter über uns herein, weil ich als große Schwester versagt und die kleine Schwester nebst mich nicht pünktlich nach Hause gebracht hatte. Oh, oh, das geplante Zeltvergnügen wurde diskussionslos gestrichen und wir mussten barfuß ins Bett. Heute wohne ich nicht mehr mit meinem Papa zusammen und ihm ist egal, wann ich nach Hause komme. Zumindest tut er so, wenn wir uns darüber unterhalten 🙂 Heute bin ich auch ein braves Mädchen und komme nicht mal 10 Minuten zu spät.

Interessante Erfahrung an diesem Abend, heute finde ich es gerade noch ein bisschen lustig. Mal sehen, was morgen sein wird. Ich lasse mich überraschen. Von den Umständen, die ich nicht ändern kann und vor allem von meinen Gedanken.

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